Ravenna Bike

Mit dem Fahrrad der Adria entlang –VIDEO–

Mitte März hielt ich es im wieder verschneiten Südtirol nicht mehr aus. Meine ersten 5 freien Tage sollten mich mit dem Fahrrad an die Adria führen.
Da ich mit dem Zug zu meinem Ausgangspunkt gelangen wollte, musste ich zuerst einmal schauen welche Züge überhaupt Fahrräder transportieren und welche Bahnhöfe dabei am besten zu erreichen sind.
Ravenna bot sich gut an und sollte auch eine interessante Stadt sein, bzw. auch mit dem Fahrrad tolle Wege zum Erkunden zu finden sein.
Auch Venedig war über Umwege per Bahn zu erreichen. So fiel die Entscheidung auf Venedig-Ravenna.

Tag 1
Um 5 Uhr startete ich in Bozen mit dem Zug um dann um 10 Uhr Venedig zu erreichen.
Venedig selbst stand für mich nicht auf dem Besichtigungsplan, so verließ ich die Lagunenstadt sofort mit dem Traghetto in Richtung Lido di Venezia. Mein heutiges Etappenziel sollte ungefähr bei Chioggia liegen. Das Lido war bald durchradelt, so überquerte ich nach Pellestrina und weiter bis nach Chioggia, welches ich gegen 16 Uhr erreichte.
Mit Zelt und Schlafsack ausgestattet hatte ich es nicht eilig einen Schlafplatz zu suchen und radelte weiter in Richtung Isola Verde.
Die Hotels und Campingplätze waren noch geschlossen und zum Glück fand ich einen Tante-Emma-Laden um mich mit Verpflegung auszustatten.
Das Abendessen am Meer mit Sonnenuntergang war genüsslich und so machte ich mich langsam auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz.
Dies erwies sich nicht als so einfach, sollte er doch etwas abgeschieden aber doch nicht zu entlegen sein.
Nach einiger Zeit entschied ich mich das Zelt nahe eines Baches aufzustellen. Schon beim Aufstellen bemerkte ich, dass das Zelt bereits leicht feucht wurde. Die „umiditá“ [Feuchtigkeit] hier am Meer hatte ich nicht bedacht und sollte mir noch eine tolle Nacht versprechen. Um nicht schon um 20 Uhr in den Schlafsack zu kriechen radelte ich noch mal ins Dorf und genoss noch einen leckeren „Aperol Spritz“. Gegen halb10 gings zurück zum Zelt. Mit Stirnlampe ausgerüstet kroch ich in das flache Einmannzelt. Die Nacht dauerte laaaaange und natürlich fand ich erst in der Morgenzeit zu meinem besten Schlaf. Trotzdem freute ich mich wieder aus dem triefend nassen Zelt zu kriechen und meine starren Knochen aufzubiegen.
2 Cappuccini in der Bar waren dann nötig um wieder einigermaßen in die Gänge zu kommen.

Tag 2

Bis 9 Uhr war das Nachtlager wieder geräumt, das Zelt jedoch noch „fetznass“. Ich vertröstete mich mit dem Trocknen auf die Mittagspause und insgeheim war ich wohl schon überzeugt diese Nacht nicht wieder im Zelt zu verbringen.
Auf der Landkarte zu Hause vermutete ich tolle Radstrecken durch das Poodelta; aber weit gefehlt! Wie mir Einheimische leider mitteilten gab es nur die Romea [Superstrada]dieses zu überwinden.
Nach einigem Hin- und Hergefrage benutzte ich eine kleine Seitenstraße neben der Romea um bis zum Poo zu kommen. Dort war definitiv Schluss mit Lustig und ich musste auf die Schnellstraße. Massig Verkehr und vor allem die vorbeibrausenden Lkw`s waren nicht gerade das was ich mir unter einer tollen Radtour vorstellte.
Zudem hatte ich festgestellt dass mein Hinterreifen über den Winter spröde und brüchig wurde. Mit der starken Zuladung hinten wurde es noch schlimmer und ich hatte wirklich Angst dass mir der Reifen platzt. Einen Ersatzschlauch hatte ich ja dabei, doch wenn mir der Reifen aufspringt dann wäre ich am A*.
So war dieser Tag mit zwei Problemen belastet: die Romea und der Reifen … uffa!!
Als ich den Poo erfolgreich überquerte sah ich das erste Fahrradgeschäft, welches jedoch nicht den entsprechenden Reifen auf Lager hatten. Also radelte ich ca. 11km weiter bevor ich in Mesola den nächsten Mechanikerladen erblickte. Auch dieser war nicht auf mein Bike eingestellt, telefoniert jedoch für mich mit der Fahrradherstellerfirma Casadei in San Giuseppe [30 km entfernt]. Diese hatten was für mich.
Leider hieß das für mich auch … weiter auf der Romea bleiben und nicht bei der erst besten Gelegenheit in die Natur zu verschwinden.
Etwas gefrustet suchte ich mir mal was zu futtern und einen Platz mein Zelt auszulegen. In einer kleinen Bar aß ich eine Piadina und gönnte mir ein frisches Helles.
Wie es so zutrifft, saß am Nebentisch ein österreichisches Pärchen. Wie wir so ins Gespräch kommen erfahre ich dass sie mit dem Camper in Richtung Comacchio, also genau auf meiner Strecke weiterwollen.
Cool, ich kann mir 30 km Schnellstraße und Lungenverpestung sparen und trotte so gemächlich um 15 Uhr in San Giuseppe bei der Firma Casadei ein.
Der superfreundliche Chef wechselt mir gleich meinen Reifen, während ich durch die neu gebaute Fahrradwerkstatt schlendern und mir ein Bild der Manufaktur machen kann.
Mit neuem Reifen und einem zusätzlichen Gepäcksträger vor meinem Frontlenker als Entlastung für das Rückrad verlasse ich die Werkstatt. So, das reicht für heute! Ich brauch nun ein weiches Bett und eine Waschmöglichkeit; ein Bed & Breakfast wäre jetzt ideal.
Nach kurzer Recherche werde ich in San Giuseppe fündig und niste mich für die Nacht ein.

Tag 3

So wie mir der Vermieter erklärt, habe ich einen landschaftlich schönen Abschnitt durch die Romea ausgelassen. Also entscheide ich, diesen Teil heute nachzuholen und radle am Vormittag durch Pinienwälder und am Meer entlang nochmal eine Schleife rückwärts.
Um 13 Uhr treffe ich jedoch schon in Comacchio ein. Ein malerisches Städtchen ähnlich wie Chioggia. Nach einer kleinen Rast und einer Stärkung durchquere ich die Valli di Comacchio um beim Lido degli Estensi wieder zum Meer zu gelangen.
Es ist nun bereits 16 Uhr und Zeit ein Nachtlager zu suchen. Das erste B&B ist so ganz und gar nicht nach meinem Geschmack und Preislage. So entscheide ich mich weiterzuradeln.
Was ich nicht weiß ist, dass nun weit und breit keine Unterkunft mehr in Sicht ist. Es gibt nur noch die Flucht nach vorne. So muss ich noch mal 1,5 Stunden in die Waden beißen und entlang der Romea bis nach Sant´ Alberto treten.
Dort wird es beim Eintreffen bereits dunkel und sooooo viele Übernachtungsmöglichkeiten gibt es dort auch nicht . Nach längerem Hin und her und einer Stirnlampenfahrt lande ich um 20 Uhr in der Agriturismo La Valletta. Noch mal Glück gehabt: es gibt ein Bungalow und noch was zwischen die Zähne bevor ich müde in den Schlafsack rutsche.

Tag 4

Durch den Gewaltakt vom vorherigen Tag bin ich nur mehr 14 km von Ravenna, meinem heutigen Etappenziel enfernt. So chille ich gemütlich dorthin und genieße das frühlingshafte Treiben in der Stadt. Nach ein paar Stadtbesichtigungen steige ich um 16 Uhr in den Zug der mich wieder nach Südtirol bringt.

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